Gelingende Beziehungen gestalten - Zum Wohle von Mitarbeitern und Eignern von Stiftungsunternehmen

Thorsten Klinkner Stiftungsexperte der UnternehmerKompositionen und Herbert Haberl, Berater und Prozessbegleiter der Akademie für Empathie, kooperieren im Sinne einer langfristigen Unternehmenskultur und des Erhalts von Mittelständlern.

Was haben eine sinnstiftende und gewinnbringende Familienstiftung und deren Stiftungsunternehmen gemeinsam? Sie können, was Fachkompetenz und Maschinen nicht können: Empathie und Resilienz fördern.

  • Es sind gelingende Beziehungen, die das gelingende Ganze ermöglichen. Es sind soziale Kompetenzen, die zum Erhalt der Gesundheit und Leistungskraft der Menschen, der Unternehmung und des Gemeinwohls beitragen.

  • Je weniger Berechenbarkeit, je weniger Verlässlichkeit, je kürzer die Halbwertszeit des konkret Gelernten, desto höher muss die permanente Anpassungsleistung sein. Diese entfaltet sich am besten durch wertschätzende, einfühlsame Umgangsformen.

Es geht also um das Handwerk und die Kunst des ermutigenden Umgangs miteinander:

  • Widerspruchsfreier kommunizieren

  • Verschiedenheit als Bereicherung erleben

  • Eine wertschätzende und lebensphasengerechte Arbeitskultur gestalten

  • Sich durchsetzen ohne respektlos oder verletzend zu sein

  • Aus Konflikten Reibungsgewinne machen

  • Innere und äußere Belastungen konstruktiv bewältigen

Ob als Stifter, Führungskraft oder Mitarbeiter - bringen Sie Ihr Lebenswerk zum Klingen und lassen Sie es wachsen. Sie orchestrieren und wir unterstützen bei der Partitur – sei es die Stiftungssatzung oder die Arbeitskultur.

UnternehmerKompositionen mit Blick auf Einrichtung der Stiftung und die Akademie für Empathie mit Blick auf die Arbeitskultur der Stiftungsunternehmen bestärken Sie mit Einfühlungsvermögen, guten Ideen und wirksamen Methoden, damit ihr Einfluss, ihr Wissen, ihr Vermögen, ihre Kreativität, ihr Mut und ihre Fähigkeiten Zukunft zum Wohle aller ermöglichen.

Herzliche Grüße

Herbert Haberl
Akademie für Empathie
Beuthstr. 23, 13156 Berlin
Tel: +49 30 9114 9288
Email: hallo@empathieakademie.de
Homepage: www.empathieakademie.de

Empathie 3.0 – ein Ausweg aus dem „Empathie-Paradoxon“?

„Empathie“ ist heute in aller Munde und daher in der Wirtschaftswelt und darüber hinaus auf dem Vormarsch. Immer mehr Studien weisen nach, dass empathische Mitarbeiter[1] und vor allem Führungskräfte einen hohen wirtschaftlichen Mehrwert für ihre Betriebe mit sich bringen. Doch obwohl die Forderungen nach mehr Empathie und Empathieförderung immer lauter werden, ist bezüglich der praktischen Umsetzung ein allgemeiner Rückgang von Empathiefähigkeit zu beobachten – das „Empathie-Paradoxon“. Sogar eine zunehmende Dominanz „anti-empathischer“ Werthaltungen lässt sich vor allem im Top Business beobachten. Studien belegen sogar, dass ein enormer Anteil an Führungskräften psychopathisch – sprich: frei von jeglichem Mitgefühl und Reue – einzuordnen ist. Ein wesentlicher Grund für diesen Trend: Der zunehmende Dauerstress der Leistungs- und Konsumgesellschaft, der sich in der steten Zunahme psychischer Erkrankungen, wie z.B. Burn Out, zeigt und hochgradig „empathiehemmend“ wirkt. Der gegenwärtig vorherrschende Empathiebegriff stößt an seine Grenzen. Kann ein neues, im Entstehen begriffenes, Empathieverständnis einen dialektischen Ausweg aus dem Empathie-Paradoxon liefern?

[1] Aus vereinfachungstechnischen Gründen verwende ich die männliche Anrede und verstehe sie stets, wenn nicht anders angegeben in neutraler Hinsicht.

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Integrierte Konfliktbearbeitung im Dialog – Der Integrale Ansatz als Bindeglied unterschiedlicher Methoden

Abstract der Dissertation von Karim Fathi, Viadrina Europa-Universität Frankfurt (Oder)

Karim Fathi ist Mitgründer der Akademie für Empathie

Problemdarstellung

Im Zeitalter der Globalisierung wird die Konfliktbearbeitung im Dialog eine immer wichtigere Kompetenz, sowohl im Alltag als auch in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur. Die letzten Jahre brachten eine große Vielfalt von Methoden und Ansätzen mit sich. Zugleich wächst auch die Unübersichtlichkeit, daher bedarf es nicht nur immer mehr neuer spezialisierter Methoden, sondern auch Metaansätze, die diese anwachsenden Wissensmengen integrieren und für eine ganzheitliche Konfliktbearbeitung nutzbar machen. Integrierte Herangehensweisen, die Konflikten in ihrer gesamten Komplexität und Tiefe Rechnung tragen, sind für nachhaltige Lösungen unabdingbar.

Im Bereich ganzheitlicher, metadisziplinärer Konzeptbildung befindet sich die Friedens- und Konfliktforschung in der Pionierphase – sowohl in Theorie als auch in Praxis.

Untersuchungsziele

Der Integrale Ansatz von Ken Wilber – bislang in der Friedens- und Konfliktforschung kaum rezipiert – soll vor diesem Hintergrund Beiträge für die Entwicklung einer „integralen Konfliktbearbeitung“ liefern, dahingehend kritisch gewürdigt und modifiziert werden. Die Untersuchung konzentriert sich auf folgende Untersuchungsfragen:

  1. Wie können unterschiedliche Methoden und Perspektiven in der dialogischen Konfliktbearbeitung theoretisch und praktisch integriert werden?
  2. Wo bestehen hierbei die Beiträge und Ergänzungspotenziale des Integralen Ansatzes von Ken Wilber?
  3. Was lassen sich für allgemeine Schlüsse und weitere Herausforderungen für Metatheoriebildungen ableiten?

Untersuchungsfortgang

Die Untersuchung geht von der Grundannahme aus, dass einer jeden konkreten Konflikt(bearbeitungs)praxis eine (bewusste oder unbewusste) Handlungsstrategie zugrunde liegt, die wiederum auf erkenntnistheoretischen Annahmen fußen, die der handelnde Akteur von sich und seiner Umwelt macht. Der „Theorie der Erkenntnis“ (Epistemologie) kommt daher eine wesentliche Schlüsselrolle als Ausgangsbasis für weiterführende praxisrelevante Überlegungen im Rahmen einer integrierten Konfliktbearbeitung zu. Die Untersuchung unterscheidet daher im Spektrum zwischen allgemeiner Theorie und konkreter Praxis drei aufeinander aufbauende und zugleich in Bezug auf ihre Ansprüche durchaus eigenständige Metakontexte:

1.      Epistemologie (Theorie der Erkenntnis),

2.      Heuristik (Regelbildung für Problemlösungen) und

3.      Praxeologie (Theorie des Handelns).

In jedem dieser Metakontexte werden – auf der Basis der Kategorien des Integralen Ansatzes (Quadranten, Ebenen, Linien, Typen und Zustände, zusammen „AQAL“ = All Levels All Lines) – Metamodelle entwickelt, in denen repräsentative Ansätze dialogischer Konfliktbearbeitung integriert werden. Die Modellierung gestaltet sich offen, das heißt, sie beschränkt sich nicht ausschließlich auf das AQAL-Modell und entwickelt sich im Laufe der Untersuchung weiter. Die im Rahmen der Metakontexte – Epistemologie, Heuristik und Praxeologie – entwickelten unterschiedlichen Modelle werden im Abschluss kritisch aufeinander zurückgekoppelt, um zu allgemeinen Schlussfolgerungen zu kommen.

Ergebnisse

Epistemologischer Metakontext

Im epistemologischen Metakontext werden die Gemeinsamkeiten und Ergänzungspunkte von sieben repräsentativen Ansätzen dialogischer Konfliktbearbeitung aus der Perspektive des AQAL-Modells integriert. Hierunter fallen:

  • Konflikttransformation nach Johan Galtung (Transcend);
  • Konfliktmanagement von Friedrich Glasl;
  • Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marschall Rosenberg;
  • Buddhistische Konfliktlösung;
  • Prozessorientierte Konfliktarbeit nach Arnold & Amy Mindell;
  • Psycho-/Soziodrama nach Jacob Moreno;
  • Systemische Strukturaufstellungen (SySt) nach Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd.

Neben vielfältigen Schnittpunkten ergaben sich auch vielfältige, für die weiterführende integrale Forschung relevante, Ergänzungspunkte, die zu einer integraleren Auffassung von Schlüsselbegriffen wie „Frieden“, „Konflikt“ und „Gewalt“ beitragen könnten:

  • Eine komplementäre Betrachtung von Galtungs heterarchisch designtem „Dreieckmodell“ – welches eine strukturelle, kulturelle und verhaltensbasierte Dimension unterscheidet – und Glasls hierarchisch designtem Eskalationsebenenmodell – welches Ebenen niedriger, mittlerer und hoher Eskalation unterscheidet – erlaubt ein vieldimensionales Verständnis von Gewalt.
  • Galtungs Dreieckmodell lässt sich durch die Berücksichtigung einer  intentionalen Metadimension – wie ihn z.B. die buddhistische Konfliktlösung voraussetzt – und damit zu einem Quadrantenmodell erweitern. Der Begriff der „intentionalen Gewalt“ ist in der herkömmlichen Konfliktbearbeitung noch kaum berücksichtigt.
  • Die Einführung entwicklungshierarchischer Modelle (z.B. Spiral Dynamics) ist noch bei vielen Vertreterinnen und Vertretern in der Friedens- und Konfliktforschung umstritten. Die Untersuchung zeigt aber, dass entwicklungshierarchische Modelle einen bedeutenden Erkenntnisgewinn mit sich bringen und einen Mehrwert für ganzheitliche Konfliktanalysen haben.

Wie erwartet,  kann insgesamt festgestellt werden, dass die Stärke des AQAL-Modells insbesondere in diesem epistemologischen Integrationskontext liegt.

Es ist aber auch im Hinterkopf zu behalten, dass AQAL nur ein Modell bzw. eine Perspektive darstellt – zwangsläufig auch mit blinden Flecken. Der Nutzen des AQAL-Modells besteht vor allem darin, die Schnitt- und Ergänzungspunkte von Methoden und Theorien aufzuzeigen, nicht aber ihre Widersprüche. Methoden werden daher als solche nicht im AQAL „integriert“.

Heuristischer Metakontext

Im heuristischen Metakontext werden zwei strategische Modelle, die zum einen auf einer „Wilber-typischen“ entwicklungsorientierten, zum anderen auf einer eskalationsorientierten Interpretation des AQAL-Modells beruhen, untersucht und miteinander verglichen. Unter Einschränkungen lassen sich zwischen beiden Modelltypen Korrelationen und wechselseitige Ergänzungsmöglichkeiten feststellen.

Es stellt sich heraus, dass das AQAL-Modell alleine unzureichend ist, um den Ansprüchen des heuristischen Metakontexts angemessen Rechnung zu tragen. Beispielsweise fehlt es dem AQAL-Modell an Möglichkeiten Prozesse und Hebelpunkte für Problemlösungen zu modellieren. Daher werden in der Untersuchung zwei Metamodelle entwickelt, die mehr auf die heuristischen Bedürfnisse in der Konfliktbearbeitung zugeschnitten sind. Diese Modelle lassen sich wiederum sinnvoll durch das AQAL ergänzen:

  • Ein sich aus dem Eskalationsebenenmodell ergebendes Konfliktphasenmodell, das die Phasen „vor“, „während“ und „nach der Gewalt“ unterscheidet, ermöglicht eine Einordnung unterschiedlicher Interventionsansätze und -bereiche. Dieser Ansatz lässt sich um Einsichten aus den heterarchisch designten Dimensionen des AQAL-Modells (Zustände, Quadranten, Linien, Typen) sinnvoll ergänzen.
  • In Ergänzung dazu, ergibt sich aus einer repräsentativen Gegenüberstellung der Heuristiken mehrerer Dialogmethoden eine, auf die Ansprüche des heuristischen Metakontextes zugeschnittene, Orientierungsverallgemeinerung. Demnach lassen sich drei Phasen unterscheiden, die generell einer jeden dialogischen Konfliktbearbeitung idealtypisch zu Grunde liegen:
  1. die Analyse der Ziele und der Konfliktkonstellation;
  2. die Analyse und Hinterfragung der tieferen Konfliktdimensionen: Ermittlung unverhandelbarer Motivstrukturen (z.B. Grundbedürfnisse) und die Förderung von gegenseitiger Empathie (Re-Framing);
  3. die kreative Lösungsfindung und konkrete Aktionsplanung.
  • Auch dieses Modell lässt sich sinnvoll durch die AQAL-Dimensionen ergänzen und ermöglicht damit eine sehr komplexe, aber immer noch sehr allgemeine Vorlage für die Durchführung integraler Konfliktdialoge. Im Folgenden, als Beispiel, ein vereinfachtes Modell, das eine grobe Einordnung der Schwerpunkte einiger Methoden des inner- und zwischenpersonellen Dialogs im Drei-Phasen-Kontext ermöglicht:

Praxeologischer Metakontext

Wie lässt sich das heuristische Modell in konkreten Konfliktsituationen umsetzen?

  • In einem Fallbeispiel wurde ein Methoden-Mix aus zwei repräsentativen Methoden – dem auf Transcend basierenden „integrativen Konfliktdialog“ von Graf und Kramer (repräsentativ für den zwischenmenschlichen Dialog) und „The Work“ nach Byron Katie (repräsentativ für den inneren Dialog) – vorgestellt. Eine Kombination beider Methoden-Typen erweist sich im Allgemeinen als sehr integral und gut anwendbar, ist aber auch an vielfältige Bedingungen geknüpft und nicht immer und zu jeder Zeit möglich.
  • Im Anschluss wurde – auf der Basis des in der obigen Tabelle skizzierten Modells – eine allgemeinere Landkarte entworfen, welches eine Orientierungsfunktion liefert, das gesamte, in der Arbeit vorgestellte Methodenspektrum in einem metapraxeologischen Zusammenhang anzuwenden.

Im praxeologischen Metakontext fällt auf, dass sich die Anforderungen an ein integrales Modell grundsätzlich vom heuristischen und vor allem epistemologischen unterscheiden. Die Geltungskriterien richten sich hier viel mehr nach dem, was in der konkreten Konfliktsituation „funktioniert“ und nicht, was in theoretischer Hinsicht sinnvoll ist. Viele interventionsstrategische Fragen offen bleiben, die sich aus der konkreten Konfliktsituation ergeben und kaum allgemeinverbindlich modellieren lassen, z.B.:

  • Was stehen mir gerade für Ressourcen zur Verfügung (Dialog-Setting, Zugänge, Akteure, Zeitdruck, finanzielle Mittel, Entwicklungsgrad, Eskalationsgrad etc.)?
  • Mit welchen Konfliktparteien arbeite ich überhaupt (Mass People-Ansätze vs. Key People-Ansätze)?
  • Auf welche Methoden spricht meine Gesprächspartnerin bzw. Gesprächspartner an (und auf welche nicht)?
  • Empfiehlt sich überhaupt ein Methoden-Mix? Wenn ja, wie sollten die Methoden kombiniert werden?
  • Ich kann in der Konfliktpraxis nicht immer alles wissen: Wann und inwieweit kann es sinnvoll sein, eine Analyse auf bestimmte Kernaspekte pragmatisch zu simplifizieren?
  • Wann können völlig einfache, betont nicht-integrale, Konfliktlösungen effektiver sein?
  • Wann und inwieweit ist es sinnvoll, auf bestimmte Bereiche Prioritäten zu setzen? So sind z.B. tiefenpsychologische und kulturelle Interventionen in der Regel wesentlich langwieriger und aufwändiger als verhaltensorientierte und strukturelle.

Diese und weitere offene Fragen verdeutlichen auch die natürlichen Begrenzungen integraler Theoriebildung. Bei der konkreten Umsetzung integraler Konfliktbearbeitung kommt der aus Praxiserfahrung geprägten Intuition der Konfliktarbeiterin bzw. des Konfliktarbeiters eine besondere Bedeutung zu.

Allgemeine Schlussfolgerungen

Allgemeine Schlussfolgerungen ergeben sich aus einer kritischen Rückkopplung aller drei Metakontexte. Ihre Ansprüche gestalten sich als sehr unterschiedlich, z.T. sogar widersprüchlich. Im Allgemeinen lässt sich daher zusammenfassen, dass eine integrierte Konfliktbearbeitung, will sie den unterschiedlichen Anforderungskriterien von Theorie und Praxis (oder: Epistemologie, Heuristik und Praxeologie) Rechnung tragen, „multipel“ angelegt sein muss. Dies bedeutet:

  1. Flexible Handhabung von Strategien, mit Komplexität umzugehen. Diese Strategien – 1) Komplexifizierung, 2) Simplifizierung und 3) pragmatischer Eklektizismus – nehmen in der Theorie und in der Praxis (sprich: im epistemologischen, heuristischen und praxeologischen Metakontext) einen sehr unterschiedlichen Stellenwert ein.
  2. Flexible Kontextualisierung und Anwendung unterschiedlicher integraler Modelle. Eine einzige „Theorie von Allem“ ist nicht möglich, da jedes integrale Modell einen eigenen Kontext und darum zwangsläufig blinde Flecken aufweist.

Hinweis: Die Dissertationsschrift (benotet mit "summa cum laude") ist seit Ende Oktober 2011 erhältlich.
ISBN: 978-3-8288-2801-8
http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=9783828828018

Über den Autor

Karim Fathi ist Diplom-Sozialwirt (Universität Hamburg) und hat einen Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung (Philipps-Universität Marburg). Während seines Masterstudiums begann er sich intensiv mit der Frage nach einem integrierten Ansatz in diesem durch Methodenvielfalt und Unübersichtlichkeit geprägten Forschungsfeld auseinanderzusetzen. Aus diesem leidenschaftlich verfolgten „Hobby“ wurde schließlich ein Promotionsvorhaben, das Karim Fathi im Juni 2011 an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), im Fachbereich Kulturwissenschaften mit summa cum laude abschloss.

Karim Fathi wurde vom Institute for Integrative Conflict Transformation and Peacebuilding (Wien) zum Konfliktberater in Konflikttransformation ausgebildet. Darüber hinaus sammelte Herr Fathi berufliche Erfahrungen, unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Berghof Conflict Research Institut, als Consultant im Asien-Pazifik-Büro des Entwicklungsprogramms der UN und als Consultant im Bereich geostrategische Analysen in der Joschka Fischer & Company. Derzeit ist Karim Fathi beratend in der Denkbank tätig.

Source: topsites://

Rezension: Karim P. Fathi: Integrierte Konfliktbearbeitung im Dialog

Karim P. Fathi: Integrierte Konfliktbearbeitung im Dialog

Cover

Karim P. Fathi: Integrierte Konfliktbearbeitung im Dialog. Der integrale Ansatz als Bindeglied unterschiedlicher Methoden. Tectum-Verlag (Marburg) 2011. 369 Seiten. ISBN 978-3-8288-2801-8. D: 29,90 EUR, A: 29,90 EUR, CH: 37,10 sFr.

[Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum-Verlag / Reihe Sozialwissenschaften] Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum-Verlag, Reihe Sozialwissenschaften - Band 49.

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Thema

Auf der Basis des integralen Ansatzes von Ken Wilber arbeitet Karim P. Fathi in dieser Dissertation an der Einordnung von Methoden und Erkenntnissen der dialogischen Konfliktbearbeitung. Ein durchaus spannendes, wichtiges Thema, denn Streit und Konflikte entstehen ja nicht nur aus gegensätzlichen Positionen heraus (was man als naturgegeben fast voraussetzen kann), sondern durchaus selbst und auch da, wo die beteiligten Menschen und Parteiungen zwar im Ziel sogar einig wären, aber verschiedenen Lösungswege je bevorzugen und allzu oft hier eine gemeinsame (und auch gemeinsam gewünschte) Lösung an den verschiedenen Haltungen zu scheitern droht. Im Rahmen seines Masterstudiums der „Friedens und Konfliktforschung“, hat Karim P. Fathi dieses Anliegen der Zusammenführung verschiedener Lösungswege und Lösungsvorstellungen im Zuge einer integrativen Konfliktlösung zu einem der Schwerpunkte seiner Arbeit gemacht. Ein Ansatz, der vor allem dort zum tragen kommt, wo zwar unterschiedliche und zum Teil durchaus auch ganz andersartige Lösungswege für ein Problem im Raume stehen, erkennbar aber ist, dass diese sich nicht grundsätzlich ausschließen, sondern „nur“ den Weg zu einem gemeinsamen, integrierten Lösungsansatz bisher nicht gefunden haben. So kann man Fathi durchaus in seiner Grundannahme folgen, dass „im Zeitalter der Globalisierung die Konfliktbewältigung zu einer der wichtigen Kompetenz wird, sowohl im Alltag, als auch in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur“.

Autor

Karim P.Fathi studierte in Marburg Friedens- und Konfliktforschung und hat sich durch eine Vielzahl von Absagen und abwehrenden Haltungen das Thema seiner Dissertation betreffend nicht entmutigen lassen, sondern die „Integrative Konfliktlösung“ als Dissertation letztendlich vorgelegt.

Aufbau und Inhalt

Der philosophischen Grundannahme folgend, dass „Ganzheitlichkeit“ und damit „Metatheoriebildung“ notwendig ist, legt Fathi zunächst seine theoretischen Grundannahmen dar (eine Schlüsselrolle kommt der Epistemologie zu, ergänzt durch Heuristik als Regelbildung und Praxelogie, um das strategisch-operationale Kerninteresse als Intervention in den Mittelpunkt des Interesses mit zu rücken).

Das im Gesamten der Dialog (besser: der methodisch strukturierte Dialog) die zentrale Methode der integrativen Konfliktbewältigung darstellt, dürfte offenkundig sein und so legt es Fathi im Buch auch dar. Die „Integration von Methoden der dialogischen Konfliktbearbeitung“ ist somit in der Breite der Methoden (hier Konflikttransformation, Konfliktmanagement, Konfliktlösung) ausschließliches Forschungsfeld der Dissertation.

In der methodischen Struktur legt Fathi zunächst Analysestrategien vor (Map-Making, kritischer Diskurs, Offene Modellierung, Deduktion und Induktion und unterteilt sodann in die erwähnten Bereiche der Metatheoriebildung in Form von „Epistemologischer Integration“, „Heuristische Integration“ und „Praxelogische Integration“, nachdem er in einem ersten Teil fundiert und breit die für ihn wesentlichen Ansätze der konstruktiven Konfliktbearbeitung vorgestellt hat. Hier führt er ein in das Konfliktmanagement nach F.Glas, stellt „Transcend“ nach J.Galtung vor, ebenso wie die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach M.Rosenberg und die Konfliktbewältigung im Buddhismus. Das „Psychodrama“ nach Moreno findet in diesem ersten Teil ebenso seinen Platz wie die „Systematische Strukturaufstellung“ nach Varga, Kibed und Sparrer. Abgeschlossen wird dieser darstellende Teil zum einen durch einen Blick auf die „prozessorientierte Konfliktarbeit“ nach Arnold Mindell und (in sehr breiter Darstellung) dann das integralen Ansatzes nach Ken Wilber.

Den Hauptteil der Arbeit bildet im Folgenden die metatheoretische Integration der verschiedenen Konfliktbearbeitungsstrategien in ihren jeweils dialogischen Vollzügen und in Betrachtung jener Schnittstellen und Teilmengen, die als gemeinsame Basis eines integrierten Ansatzes dann herausgearbeitet werden können.

Ein knappes und essentielles Fazit schließt die Dissertation ab.

Diskussion

Im Rahmen einer Vielfalt der Ansätze und einer durchaus bobachtbaren Unübersichtlichkeit der Herangehensweisen in der Friedens- und Konfliktforschung gelingt Fathi durchaus überzeugend zunächst eine übersichtliche und nachvollziehbare Darstellung der wesentlichen dialogischen Konfliktbewältigungsstrategien, die auch die Unterschiedlichkeiten durchaus zur Geltung bringt. Wenig gemein zunächst hat der Buddhismus mit Psycho-Soziodrama oder Systemischer Strukturaufstellung. Durch den starken Rückgriff auf die Arbeiten Wilbers aber gelingt es Fathi in methodisch sauberen Schritten, die dialogischen Essenzen der verschiedenen Strategien herauszufiltern und in einen gemeinsamen, integrativen Rahmen zu setzen.

So darf im Gesamten die Darstellung und der methodische Weg des Nachweises als gelungen eingeordnet werden, dass eine (wirklich) ganzheitliche Konfliktbearbeitung sowohl kurzfristige und nachhaltige Methoden, rationale und spirituelle Techniken, allgemeine und spezifische, komplexe und simple Perspektiven sowie umfassende (und wirksame) Kategorien zu berücksichtigen Hat. Ein Anspruch, der durch die saubere Zusammenführung und auf Basis vor allem der Dialog-Orientierung der diversen Ansätze durchaus in der er Praxis Chancen auf Erfolg hätte. Gleichwohl weist Fathi ebenso nach, dass eine „Theorie von Allem“ umgehend an ihre Grenzten stoßen würde, es gilt somit, aus den verschiedenen Ansätzen jene Methoden und Interventionsmöglichkeiten in einem dynamischen Prozess herauszufiltern, die für konkrete Aufgabenstellungen und Konflikte integrativ die besten Voraussetzungen für eine Lösung in sich tragen.

Fazit

Nicht erst angesichts der auch kulturellen Herausforderungen der Globalisierung, auch in kleineren gesellschaftlichen Bezügen, wie auch in bereits lang anhaltenden, „festgefahrenen“ Konflikten kann die Arbeit Fathis als Basis für ein anderes Denken und neue, andere methodische Herangehensweisen dienen, die vor allem in ihrer integrativen Leistung in der Lage wäre, die verschiedenen Lösungspositionen der beteiligten Parteiungen einerseits nicht grundsätzlich in Frage zu stellen und andererseits methodisch unter Hinzunahme dritter und vierter Konfliktbewältigungsstrategien einer gemeinsam zu entwickelnden Lösung auf breiter Basis zuzuführen. Ein durchaus fundierter und für de weitere Diskussion fruchtbarer Ansatz.

Rezensent
Pfarrer Michael Lehmann-Pape
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Zitiervorschlag
Michael Lehmann-Pape. Rezension vom 11.07.2012 zu: Karim P. Fathi: Integrierte Konfliktbearbeitung im Dialog. Tectum-Verlag (Marburg) 2011. 369 Seiten. ISBN 978-3-8288-2801-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13507.php, Datum des Zugriffs 17.07.2012.

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Durch seine vielfältigen Anknüpfungspunkte eignet sich der von Dr. Karim P. Fathi angeleitete Workshop hervorragend als Ergänzung zu den Seminaren in der Akademie für Empathie.

Dr. Karim P. Fathi ist Konfliktberater im Transcend-Netzwerk und für Die Denkfabrik tätig im Feld der Zukunfts- und Trendforschung. Seine Dissertation über „Integrierte Konfliktbearbeitung im Dialog“ erfuhr eine hohe Resonanz von einschlägigen Expertinnen und Experten aus der integralen Theoriebildung und der Mediationspraxis.