Was ist Empathie? Und was habe ich davon in Leben und Beruf?

Empathie ist ein uneinheitlich geführter Begriff mit sehr unterschiedlichen Definitionen und Assoziationen. Um Missverständnissen vorzubeugen und Ihren Bedürfnissen bestmöglich entgegenzukommen, ist eine kurze Anmerkung nötig: Im Einklang mit unserer eigenen Forschungstätigkeit verstehen wir Empathie als eine facettenreiche Universalkompetenz. Dabei lässt sich im Wesentlichen zwischen den Bereichen der „Selbstempathie“ und der „zwischenmenschlichen Empathie“ und darin enthaltenen weiteren Komponenten unterscheiden.

Empathie füreinander umfasst emotionale Empathie (Einfühlungsvermögen), kann aber auch kognitive Empathie (sich in andere hineindenken) beinhalten. Zwischenmenschliche Empathie begünstigt damit die Fähigkeit, sich in andere Positionen hineinzuversetzen und diese Perspektiven in neue und nachhaltige Lösungen mit einzubinden. Ihr Nutzen:

  • Andere Menschen besser verstehen und erreichen (z.B. gewinnende Führung).
  • Nachhaltige Problemlösungen durch die Berücksichtigung der Interessen aller.
  • Nachhaltigere Beziehungen.
  • Vorbeugung von Konflikten und damit einhergehenden Kosten.
  • Nachhaltigere und effektivere Durchsetzung der eigenen Interessen – zum Wohle aller.
  • Fähigkeit, sich an unterschiedliche Verhaltensstile anzupassen.
  • Nachhaltigeres Arbeitsklima und damit Sicherung von Fach- und Führungskräften.

Empathie für sich umfasst die Fähigkeit eigene Gefühle und dahinterliegende Glaubenssätze wahrzunehmen. Im Sinne des aktuell diskutierten Leitkonzepts „Empathie 3.0“ (s. hierzu auch unser gleichnamiger Artikel auf unserer Website) beinhaltet Empathie auch die Fähigkeit, Kontakt zur inneren Mitte herzustellen und damit Stress loszulassen. Forschungen bestätigen: Je ausgeprägter die Selbstempathie desto höher auch die zwischenmenschliche Empathie. Ihr Nutzen:

  • Souveräner Umgang mit belastenden Gefühlen und Gedanken.
  • Stärkere Fähigkeit zur Selbstmotivation.
  • Höhere Stressresistenz durch mehr Gelassenheit.
  • Effizienterer Haushalt mit den eigenen Kräften.
  • Authentische Führung.

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Empathie 3.0 – ein Ausweg aus dem „Empathie-Paradoxon“?

„Empathie“ ist heute in aller Munde und daher in der Wirtschaftswelt und darüber hinaus auf dem Vormarsch. Immer mehr Studien weisen nach, dass empathische Mitarbeiter[1] und vor allem Führungskräfte einen hohen wirtschaftlichen Mehrwert für ihre Betriebe mit sich bringen. Doch obwohl die Forderungen nach mehr Empathie und Empathieförderung immer lauter werden, ist bezüglich der praktischen Umsetzung ein allgemeiner Rückgang von Empathiefähigkeit zu beobachten – das „Empathie-Paradoxon“. Sogar eine zunehmende Dominanz „anti-empathischer“ Werthaltungen lässt sich vor allem im Top Business beobachten. Studien belegen sogar, dass ein enormer Anteil an Führungskräften psychopathisch – sprich: frei von jeglichem Mitgefühl und Reue – einzuordnen ist. Ein wesentlicher Grund für diesen Trend: Der zunehmende Dauerstress der Leistungs- und Konsumgesellschaft, der sich in der steten Zunahme psychischer Erkrankungen, wie z.B. Burn Out, zeigt und hochgradig „empathiehemmend“ wirkt. Der gegenwärtig vorherrschende Empathiebegriff stößt an seine Grenzen. Kann ein neues, im Entstehen begriffenes, Empathieverständnis einen dialektischen Ausweg aus dem Empathie-Paradoxon liefern?

[1] Aus vereinfachungstechnischen Gründen verwende ich die männliche Anrede und verstehe sie stets, wenn nicht anders angegeben in neutraler Hinsicht.

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