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Gelingende Beziehungen gestalten

EmpathieBlog

Wir können mitfühlend sein - und es bei der Akademie für Empathie lernen

Sek EmpathieAkademie

wir können mitfühlend sein

„Empathie“ ist ein wesentliches Merkmal der „sozialen Intelligenz“. Gemeint ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen und Situationen hineinzufühlen. Sachverhalte mit ihren Augen, ihrem Herzen wahrzunehmen. Ein Mensch, der dazu nicht oder dazu nur in extremen Situationen in der Lage ist, dürfte kaum empathisch sein. 

(Im nächsten Abschnitt ist manches aus „Weisheit für Unweise“ von Rupert Lay)

Dazu gehört den anderen geduldig bis zum Ende zuzuhören und sich erst dann Rederecht einzuräumen, wenn der Partner einige Augenblicke geschwiegen hat. Es bedeutet sich beim Reden in die Werteinstellungen, Erwartungen, Interessen, Bedürfnisse des anderen zu versetzen und auch von dorther die Situation einschätzen, wertschätzen zu können. 

Auch bedarf es einer fehlerfreundlichen Kultur und Technologie. Menschen machen Fehler und eine fehlertolerante Kultur und Technologie ermöglichen ein „Irrtum ist nützlich“. Wir machen Fehler, weil wir systematischen Irrtümern erliegen, die wir aber mit Hilfe des Mitmenschen rechtzeitig erkennen kennen und die so dann nicht zum Schaden werden.

  • Wir überschätzen unsere emotionalen Reaktionen, überhöhen das Glücksgefühl und übertreiben die Sorge.
  • Unsere Vorliebe für Anekdoten und Verallgemeinerungen trübt oft das objektive Urteilsvermögen
  • Unsere Tendenz zur Vereinfachung verhindert oft den Blick auf das Ganze.
  • Wir empfinden eine Sachlage unterschiedlich je nach Situation und sozialen Kontext
  • der Mensch such tendenziell eher Rückhalt, statt die eigene Überzeugung kritisch zu prüfen
  • Das Leugnen unserer Irrtümer schützt das Selbstwertgefühl und stärkt die Überzeugung, Einfluss zu besitzen

Aus dieser Not kann man eine Tugend machen. In einer Kultur der Fehlertoleranz ist der Irrtum ein fester Bestandteil der Wissensvermittlung an Schulen, Universitäten und im Berufsleben. Vielleicht steht morgen „Error Management Training“ auf dem Programm.

Die sture Gewissheit ist besonders für das Erobern geeignet, eine fehlerfreundliche Kultur und Technologie für das Anpassen. 

Toleranz bezeichnet die Bereitschaft und Fähigkeit, einen anderen Menschen in seinem Anderssein (solange es nicht zu sozialunverträglichem Verhalten führt) zu akzeptieren. Und es ist das authentische Verhalten, das uns attraktiv für Andersartige macht.

Authentisch ist ein Mensch genau dann, wenn er das sagt, wenn er so handelt, wie es von seinem Gewissen eingefordert wird. Solche Authentizität setzt voraus, dass ein Mensch in emotionalem, sozialem und rationalem Gleichgewicht ist.

Deshalb ist auch die Festlegung, dass ein Volksvertreter letztlich nur seinem Gewissen gegenüber verantwortlich ist, zu unterstützen und jeder Gruppenzwang (Fraktionszwang, Macht- und Wirtschaftsmonopolisierung, Sippenhaft, Korruption, ...) abzulehnen. 

Andere und anderes ernst nehmen, heißt auch die Ängste eines Menschen ernst nehmen, selbst wenn er in vergleichbaren Situationen völlig angstfrei agieren oder reagieren kann. Die Werteinstellungen, Bedürfnisse, Erwartungen und Interessen des anderen ernst zu nehmen, und mögen sie noch so sehr von den eigenen abweichen, ist sicherlich Grundlage jedwelcher empathischer Haltung. 

Empathische Menschen werden in jedem Fall darauf verzichten, anderen über die Vermittlung der eigenen Werteinstellungen, Bedürfnisse, Erwartungen und Interessen einen Weg zu weisen, sondern sich bemühen, das diese ihren eigenen Weg finden. 

Wer glaubt, dass das was er erarbeitet und erdenkt, sei für seine Selbstversorgung und Selbstsicherheit wird konsequent durch das Appellieren, Fördern und Fordern anderer, also mittels Fremdveredelung, deren Akzeptierbarkeit für das eigene Ego absichern.

Wer jedoch erkennt, dass das was er erarbeitet und erdenkt immer erst die Grundlage dafür ist, das andere Dinge erarbeiten und erdenken können, derer er selbst bedarf, der wird er auch schnell erkennen, das es sehr förderlich ist, wenn er an seiner Attraktivität und sozialen Verträglichkeit arbeitet, also Selbstveredelung und Kooperationsfähigkeit entwickelt. 

Wir brauchen einen Wandel von einer Kultur der Selbstversorgung und Fremdveredelung zu einer Kultur der Fremdversorgung und Selbstveredelung. Dies führt zum homo empathicus – zum mitfühlenden, Rücksicht nehmenden Menschen. 

Empathie, Mitgefühl ist dabei nicht zu verwechseln mit Mitleid. Ein entsozialisiertes Mitleid (also Mitleid ohne Mitgefühl) entartet zur untätigen Betroffenheit, ein entrationalisiertes Mitleid degeneriert zu einer Form der Philanthropie, die das Eigene mit seinen Werteinstellungen, Bedürfnissen, Erwartungen und Interessen vergessen lässt. 

Mitgefühl, Toleranz und Hilfe zur Selbsthilfe für den Mitmenschen bedarf viel mehr Kraft und Mut als das ignorieren, fördern und fordern, ausgrenzen oder missbrauchen des Mitmenschen.

Für eine Kultur der Selbstversorgung und Fremdveredelung reichen selbstbewusste und wettbewerbsfähige Menschen – für eine Kultur der Fremdversorgung und Selbstveredelung braucht es ethisch gereifte und kooperationsfähige Menschen. Im ersten Fall ist Egozentrik, Vorsicht und Kontrolle die Mutter des Erfolgs – im zweiten Fall ist es Gemeinsinn, Zutrauen und Fürsorge. 

Ob denn die Fürsorge und das Zutrauen von dem Empfangenen ausgenutzt oder missbraucht wird, ist meines Erachtens nicht eines Frage dessen Charakters, sondern dessen Erfahrungen im Umgang mit seiner Freigebigkeit. Misstrauen und Missgunst sind genauso wie Vertrauen und Toleranz sich selbst verstärkende soziale Systeme. 

Auch Erfolglosigkeit kann mit Sinn erfüllt werden. Die Erfolglosigkeit ist für nicht wenige Menschen ein Grund zu existentiellen Leiden. Gemeint ist hier nicht die Erfolglosigkeit des faulen Menschen, sondern jene solcher Menschen, die sich mit Mühe auf einen Weg begeben haben, an dessen Ende nicht der erwünschte Erfolg steht. Sicher sind manche Menschen nicht erfolgreich, weil sie bestimmte psychische Dispositionen mitbringen, die ihnen den Weg zum Erfolg schwermachen. Hier sind etwa zu nennen:

  • Menschen mit geringer „sozialer Intelligenz“, die nicht in der Lage sind, dauerhafte und belastbare soziale Beziehungen aufzubauen.
  • Menschen mit negativer Weltsicht, die in allem zunächst einmal das Bedrohliche, das Negative, die Gefahren sehen. Nicht selten fehlt es ihnen an Urvertrauen in sich, in andere, in soziale Beziehungen
  • Menschen mit übertriebenem Ehrgeiz, die unter allen Umständen besser sein wollen als andere. Um dieses Ziel zu erreichen, neigen sie dazu, eigene Fehler zu vertuschen, zu integrieren, andere schlechtzumachen.
  • Menschen mit starken Dominanzansprüchen, die nicht realisiert werden können, weil sie etwa Personen als Vorgesetzte haben, die ihnen zu geringe Freiheitsräume lassen (und sie so zu Alpha-Kämpfen provozieren).
  • Menschen mit ausgeprägten Mindergefühlen (Minderwertgefühlen, Minderanerkennungsgefühlen, Minderleistungsgefühlen). Sie neigen dazu, sich und allen anderen beweisen zu müssen, dass ihre Minderungen zu Unrecht bestehen.
  • Menschen mit ausgeprägter Ich-Schwäche, die nicht in der Lage sind, einzusehen, dass sich menschliches Leben im Spannungsfeld von Egoismus und Altruismus, zwischen Egozentrik und Gemeinsinn abspielt. Sie suchen dagegen eine vereinfachende Lebensorganisation.

Misserfolge gehören zum „normalen“ Leben dazu wie Erfolge. Wer unter Misserfolgen übermäßig leidet, hat sein Leben in aller Regel an der Peripherie der zu lösenden Aufgaben organisiert und es verlernt (oder niemals gelernt), aus seiner eigenen Mitte heraus zu leben.

Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis von Freiheit und Verantwortung. In einer Welt begrenzter Güter und Wissen ist auch der Verzicht auf volle Autonomie geboten. Viele eigene und fremde Entscheidungen und Handlungen begrenzen oder beenden die personale Autonomie. Für einen heranreifenden Menschen bedeutet Freiheit zumeist das Fehlen von Zwängen, für einen reifen Menschen zumeist, über verschiedene Handlungsoptionen verfügen zu können.

Wir sind in den Handlungsmöglichkeiten nie ganz frei aber genauso gut nie alternativlos. 

  • Der Verzicht auf ein Gehabtwerden: Ein Mensch, der von irgendetwas besessen wird, das an sich durchaus sinnvoll sein kann, wird durch dieses Besessensein nicht nur unfrei, sondern auch in die Sinnlosigkeit entlassen. Erfolg, Einkommen, Ansehen, Einfluss… zu haben ist durchaus sinnvoll, solange ein Mensch all dieses besitzt. Wird er aber von einem oder mehreren dieser sinnvollen Besitzstände besessen, besitzen sie ihn also,  statt dass er sie besitzt, dann wird die Sinnlosigkeit im Sinn offenbar. Der Sinn verschwindet im Unsinn. Für manche Menschen, die etwa nicht nur Erfolg haben, sondern von ihrem Erfolg gehabt werden, wendet sich der sinnvolle zum unsinnigen Erfolg. Doch der Verzicht darauf, von irgendetwas besessen zu werden (und sei es „nur“ von der eigenen Aggressivität), will gelernt sein – und der Weg solchen Lernens kann mühsam sein.
  • Der Verzicht auf ein Sofort: Ein großer Feind jeder Sinnfindung sind die Ungeduld und die Unfähigkeit, die Spannung zu ertragen, die sich einstellt im Verzicht auf Mögliches und Nützliches. Nicht wenige Menschen sind der eigentümlichen Auffassung, dass die schnellstmögliche Befriedigung von Bedürfnissen höchste Lust bereitet. Erst der Verzicht auf den Versuch, alles möglichst im Sofort zu erhalten macht Sinnsuche wie ja auch Weisheit erst möglich. Denn Lebenssinn ist nicht etwas Vorzufindendes, sondern muss aktiv geschaffen werden. Und dazu gehört ganz sicher der Verzicht auf ein Sofort.
  • Der Verzicht auf ein „Alles oder Nichts“: Die meisten Menschen, die nach absoluten Sinnformeln suchen, tun dies aus der Position eines „Alles oder Nichts“. Entweder erfasse, begreife, verstehe ich den Sinn meines Lebens, oder aber ich verfehle ihn. Erst wenn der Verzicht auf die Alles-oder-Nichts-Position mitunter nach schmerzlichem Lernen aufgegeben wurde, kann die Sowohl-als-auch-Position, die der Weisheit und der erfolgreichen Sinnsuche, entfaltet werden.

Erst wenn ein Mensch nicht mehr unter seinen Grenzen leidet, wird er reif genug sein, sie als Chancen zu werten. Er wird nicht mehr das Alles suchen, sondern sich auf die beschwerliche Wanderschaft machen, um das Besinnen von Handlungen und endlich seines eigenen Lebens zu lernen. Für manche Menschen ist jedoch die Alles-oder-nichts-Position ein Rechtfertigungsgrund für die Annahme einer fundamentalen Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens, ja des gesamten Seienden. 

Die Erfahrung radikaler Sinnleere deckt kompensatorisch den Aufregungs- und Sensationsbedarf, und so beginnt ein emotionales Leben aus zweiter Hand, das nicht selten begleitet wird von sozialem Rückzug, da das konkrete soziale Leben, will man es nicht gegen Normen organisieren, fad schmeckt. Da das Sensationsbedürfnis kaum mehr durch reale Ereignisse befriedigt wird, beginnt ein Leben in der Phantasie der informierenden und unterhaltenden Beiträge der Druck- oder Funkmedien. 

Eine beliebte Methode, der Sinnlosigkeit gerecht zu werden, ist die Flucht in sensationelle Scheinwelten. Das Fußballstadion, der Tennisplatz, die Rennbahn, die Kriminalgeschichten werden zu Orten, an denen das wirkliche Leben spielt.

Nicht zuletzt deshalb fügen wir uns Systemen die uns mit „Brot und Spielen“ Angst nehmen und Zerstreuung bieten, auch wenn deren tun vielleicht längst mehr Leid als Nutzen bietet, mehr zerstört als aufbaut. 

Es geht um ein Zusammenleben empathischer Menschen, die jederzeit bereit sind, bisher als sinnvoll erlebte Lebensweisen zu erweitern oder auch mal aus Einsicht zu revidieren statt aus Sorge über Veränderung „ideologische Ghettobildung“ zu betreiben und sich mit gleich besorgten zu arrangieren statt sich an der Idee eines besseren Lebens für alle zu versuchen. Zu empathischen Verhalten gehört auch: 

  • Keiner der Beteiligten darf der Meinung sein, er verfüge über eine Lösung, die frei wäre von Irrtümern und Täuschungen.
  • Alle Beteiligten müssen davon überzeugt sein, dass mittels vernetzter Kommunikation eigene Irrtümer, Täuschungen, aber auch eigenes Unwissen minimiert werden.
  • Sie müssen bereit sein, sich gegen solche Minimierungen nicht zu sperren (emotionale und/oder soziale Widerstände aufzubauen).
  • Sie müssen (im psychologischen Sinn) ein Team sein, das Probleme optimal lösen will, und keine Gruppe, die Beziehungen abzuklären versucht.
  • Sie müssen bereit sein, herrschaftsfrei miteinander umzugehen. Dazu kann es nötig sein, Techniken zu beherrschen (etwa die des Diskurses), die strukturell die Ausübung von Herrschaft ausschließen.

Es geht um eine Kultur der Rücksichtnahme und Fehlerfreundlichkeit, Wertschätzung und Konflikttransformation, um ein Sinn maximierendes statt Gewinn maximierendes Verhalten und die Bewahrung der Gemeingüter. 

Alles Gute in der Welt geschieht nur dadurch, dass jemand etwas mehr tut als er muss.