Rufen Sie uns an +49 30 9114 9288 oder teilen Sie uns hier Ihr Vorhaben oder Anliegen mit. 

Name *
Name

Beuthstr. 23
13156 Berlin
Deutschland

+49 30 9114 9288

Empathie und Dialog sind der Königsweg zu einem gelingenden Leben und beruflichen Erfolg.

Empathie erzeugt die Wertschätzung, Teilnahme und Zustimmung, die Sie zur Verwirklichung Ihrer Ideen und zur Klärung von Meinungsverschiedenheiten brauchen - ganz gleich ob es um persönliches Verhalten, berufliche Vorhaben oder gesellschaftliches Engagement geht - meist hängt ja alles mit allem zusammen.

Dialog verstehen wir als die Kunst des gemeinsamen Denkens. Dialog heißt Verständigung zu erreichen und zuvor verborgene Potenziale zur Quelle persönlicher Zufriedenheit, guter Beziehungen, gesellschaftlicher Anerkennung und beruflichen Erfolgs zu machen.

Die Akademie für Empathie ist eine Sinn- und Arbeitsgemeinschaft von Wissensvermittlern und Beratern aus verschiedenen Fachbereichen mit dem Wertversprechen zwischenmenschliche Verständigung und unternehmerischen Erfolg zu fördern.

Mit Einfühlungsvermögen, guten Ideen und wirksamen Methoden bestärken wir Menschen und Organisationen bestärken, ihren Einfluss, ihr Wissen, ihre Kreativität, ihren Mut und ihre Fähigkeiten zu nutzen, um Wege zu finden, sich und ihre Gemeinschaft voranzubringen und eine intakte und gerechte Welt zu gestalten.

EmpathieBlog

Resiliente Gesellschaften: Plädoyer für ein neues Konzept der Zukunftssicherung in Krisenzeiten

Sek EmpathieAkademie

 

Ob Schuldenkrise, Klimawandel, wachsende soziale Ungleichheit, Instabilität der Finanzmärkte oder Energieversorgungssicherheit – im Zeitalter der Globalisierung sehen sich die Gesellschaften von heute vielfältigen Herausforderungen gegenüber. Bislang hielten Forschung und Politikberatung dabei ihren Blick auf „Risikofaktoren“ gerichtet. Demgegenüber bestehen aber kaum Erkenntnisse über „Schutzfaktoren“, die eine Gesellschaft befähigen, mit einer komplexen und ungewissen Umwelt umzugehen und flexibel Krisen zu widerstehen. Ein Perspektivenwechsel weg von der Frage „Wie entstehen Krisen und wie reagiere ich auf sie?“ hin zur Frage „Wie entsteht Gesundheit und wie entwickle ich Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen?“ wurde aber bereits in den 1970er Jahren in der Pädagogik angestoßen. Sie wird inzwischen auch auf Unternehmens- und zum Teil auf Stadtkontexte übertragen.

 

Einen wesentlichen Beitrag leistet hierbei der zunehmend im Nachhaltigkeitsdiskurs Fuß fassende Begriff der „Resilienz“ (lat. „resilire“ = abprallen). Oft übersetzt mit „Widerstandsfähigkeit“ oder „Zukunftsfähigkeit“, wird Resilienz zumeist verstanden als die Fähigkeit eines Systems, Krisen durch Rückgriff auf eigene Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.

 

Wie wird im aktuellen Diskurs das Konzept „resiliente Gesellschaft“ aufgefasst, insbesondere im Kontext ökologischer, ökonomischer, sozialer, politischer und technologischer Herausforderungen? Auf den ersten Blick lassen sich mindestens vier einander überlappende Denkrichtungen ausmachen, die das Konzept „resilient societies“ unterschiedlich definieren und bewerten.

 

Eine erste dominante Denkrichtung hat ihre Ursprünge im Sicherheitsdiskurs. Sie erfasst das Konzept resiliente Gesellschaften im Kontext von Notfallvorsorge, Gefahrenabwehr und Schadensminderung. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Erhöhung der Widerstandsfähigkeit technologiebetriebener Infrastrukturen von Großstädten gegenüber Katastrophen (z.B. als Folge terroristischer Anschläge, insbesondere aber von Naturkatastrophen). Dies beinhaltet beispielsweise erdbebensichere Architekturen, störungsresistente Strom- und Telekommunikationsnetze und Wärmeversorgung. Tonangebend sind in diesem Diskurs vor allem Beiträge aus dem angelsächsischen Raum, wie z.B. der Foundation for resilient societies (USA), der Loughborough Universität (Großbritannien), und aus Asien. Aufgrund seiner Anfälligkeit gegenüber Naturkatastrophen bei gleichzeitig hohem technologischen Know-How erweist sich Japan als besondere Inspirationsquelle. Das Land zeichnet sich einerseits durch Erfahrungswerte in der Entwicklung von Vorbeugeprogrammen, breit angelegten Schulungsmaßnahmen und Technologien zur Schadensminderung aus; andererseits aber auch durch Kulturtechniken, die einen zivilgesellschaftlichen Resilienz-Geist im Sinn von „Leidensfähigkeit“ und hoher Disziplin fördern. Die Bezeichnung für diese Mentalität lautet „Gambaru“, was so viel bedeutet wie „das Beste geben bis zum Ende“. Eine ähnliche Volksweisheit für das Verhalten in Krisenzeiten besteht bereits seit dem zweiten Weltkrieg in England: „Bleibe ruhig und mach weiter“ („Stay calm and carry on“).

 

Eine zweite, eher „innovationsorientierte“ Denkrichtung legt ihren Schwerpunkt nicht auf „Risikominimierung“ und „Katastrophenmanagement“, sondern vielmehr auf „Risikoanpassung“ und „Katastrophentransformation“. Im Vordergrund steht hier die Untersuchung von Faktoren des sozialen und technologischen Wandels, welche die Gesellschaft befähigen, im Einklang mit einem sich schnell wandelnden Umfeld zu ko-existieren. Wesentlich ist dabei ein Denken, das hilft, Komplexität zu erfassen und Innovationen zu begünstigen. Ein Königsweg besteht im breiten Austausch von Experten und Innovatoren aus unterschiedlichen Bereichen und in der gezielten Förderung nachhaltig angelegter Initiativen und Technologien. Besondere Erwähnung verdienen hierunter eine Vielzahl von Graswurzelinitiativen, die Kulturtechniken des regionalen Wirtschaftens, dezentraler Energiegewinnung und der Selbstversorgung gezielt fördern, um gesellschaftlichen Wandel „von unten“ zu bewirken. Repräsentativ stehen dafür Initiativen wie die aus dem angelsächsischen Raum stammende „Transition Town“-Bewegung oder die österreichische „zämma leaba“, aber auch unser eigener Ansatz der „System-Aktionstheorie“, eine siebendimensionale Methode, die „globale Systemverschiebung“, in der wir uns befinden, zu verstehen, ihre Folgen vorwegzusehen und sich früh vorzubereiten. Ein weiteres Kennzeichen dieser Denkrichtung besteht in ihrer Anregung zu „experimentellem“ Denken. Über Foren wie z.B. „Change Laboratory“ sollen Lernräume für die Entwicklung nachhaltiger Politiken und neuer Technologien sowie der Innovationsförderung eingerichtet werden. Die Bandbreite repräsentativer Organisationen reicht vom US-amerikanischen Innovatoren-Netzwerk PopTech bis hin zum akademischen Stockholm Resilience Centre und unserem „Zukunftsthemen der Menschheit“ Institut, das sich gerade in der Anlaufphase befindet.

 

Eine dritte, gerade im Entstehen begriffene und noch kaum erschlossene Denkrichtung ist vom Motiv analytischer Bestandsaufnahme geprägt, die es überhaupt erst ermöglicht, Resilienz von Gesellschaften auf handhabbare Kriterien herunterzubrechen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Ein Vorstoß wurde im Jahr 2010 vom deutschen Pestel-Institut unternommen, welches 18 Indikatoren aus den Bereichen „Soziales“, „Wohnen“, „Energie“, „Flächennutzung“, „Verkehr“ und „Wirtschaft“ einbezog, um die Handlungsfähigkeit von Regionen und Städten durch Flexibilität, Ressourcenausstattung und Sozialkapital einzuschätzen. Über diese Studie hinausgehend ist bislang nur wenig systematisch erforscht worden, welche sozialökonomischen, politischen und ökologischen Mindestkriterien Gesellschaften erfüllen müssen, um sozialen Konflikten bestmöglich vorzubeugen. So zeigen beispielsweise aktuelle Entwicklungen, dass auch die OECD-Welt mit ihren hohen Standards hinsichtlich Rechtsstaatlichkeit, Umweltschutz und Wohlfahrtsstaat nicht vor massiven sozialen Protesten (z.B. Occupy Wall Street und 99% Bewegungen) und sogar Ausschreitungen (z.B. Frankreich 2005, England 2011) gefeit ist. Zugleich kommen Forschungsfelder wie die vergleichende Wohlfahrtsstaaten- und Glücksforschung sowie die Konfliktforschung zu aussagekräftigen Einzelergebnissen, die miteinander verknüpft werden könnten. So belegen Studien, dass z.B. Einkommensgleichheit und eine hohe Beschäftigungsquote (nicht aber z.B. das absolute Einkommen oder das BIP) auch in wohlhabenden Staaten zu den wichtigsten Faktoren gehören, um sozialen Konflikten vorzubeugen und zu einer glücklichen Gesellschaft zu führen.

 

Eine vierte und letzte Denkrichtung zur „resilienten Gesellschaft“ kommt aus dem Zukunftsdiskurs von Silikon Valley in Kalifornien, also aus dem Vorausdenken der Beziehung zwischen Wissen, Demokratie und Gesellschaft. Die zwei wichtigsten Stichworte sind hier „Befreiungstechnologien“ (liberation technology), was bedeutet, dass künftig jeder Mensch bestimmte Instrumente wie Computer, Handy und Internet sowie das Wissen, sie zu benutzen, als Grundrecht erhalten sollte, womit das Netz der Gesellschaft widerstandsfähiger wird, vor allem durch die Fähigkeit des Selbstlernens; und „teilhabende Sozialinnovation“ (participatory social innovation), womit gemeint ist, dass Wissen nicht mehr von einzelnen privilegierten Akteuren wie der Universität produziert und dann im Sinn einer hierarchischen Beziehung an das Umfeld weitergegeben wird, sondern dass Wissen überall unterschiedlich hergestellt wird, an der Universität eher theoretisch, im Umfeld eher praktisch, und dann kein Gefälle mehr, sondern einen Kreislauf bildet unter Gleichberechtigten im Sinn einer Vernetzung von Wissenseinrichtungen und Umfeld in Wechselseitigkeit. Dieses neue Konzept der Nutzung von Wissen für gesellschaftliche Resilienz als dauernder, unabschliessbarer Prozeß wird zum Beispiel an der Universität Berkeley „Multiversity“ genannt.

 

Mit diesen vier Perspektiven ist das Konzept resiliente Gesellschaft beileibe noch nicht vollständig erfasst. Im Gegenteil zeigen sie unterschiedliche Möglichkeiten auf, Resilienz zu definieren. Denn bislang musste der Begriff als „Ein-Wort-Antwort“ auf die Häufung von Krisen herhalten. Zugleich verdeutlicht das im Begriff enthaltene Erkenntnispotential, dass die künftige Forschung und Beratung nicht daran vorbeikommen wird, das Konzept resiliente Gesellschaft zu vertiefen, die vier Perspektiven zu verbinden und dabei Glück nicht mehr nur individuell, sondern immer stärker auch gesellschaftlich zu definieren.

 

Autoren: Dr. Karim Fathi und Prof. Dr. Dr. Dr. Roland Benedikter

Erschienen am 10.12.2012 in der Tiroler Tageszeitung (online und Hardcopy)