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Das agile Managen im digitalen Wandel - Master & Commander- Manager haben ausgedient. Servant Leadership ist gefragt

Sek EmpathieAkademie

Hardy Engwer - IT-Berater und Innovationscoach

Hardy Engwer - IT-Berater und Innovationscoach

Das Agile Manifest wurde im Februar 2001 von namhaften Pionieren der agilen Softwareentwicklung formuliert. Es lautet:

Wir erschließen bessere Wege, Software* zu entwickeln, indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen. Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

  • Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software*) mehr als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

*) Der Begriff "Software" greift hier zu kurz und kann genauso gut durch "Produkte", "Prozesse" u.ä. ersetzt werden. Auch im User Centered Design gelten ähnliche Prinzipien in der Produktentwicklung.

Quelle: Manifest für Agile Softwareentwicklung (http://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html)

Einen digitalen Wandel zu gestalten, egal ob es die Einführung einer kleinen Buchhaltungssoftware ist, eine Vernetzung der Firma oder eine Umgestaltung einer Produktionsstrecke. Die Erfindung und Einführung von neuen Technologien hat immer auch einen Wertewandel mit sich gezogen.

In unserer Zeit fallen mir Beispiele, wie „Netiquette“, Open Space, selbstregulierende Systeme (Chat-Trolls werden von den anderen Teilnehmern gemobbt) und andere ein.

Warum nicht auch einen „ethischen Wandel“ im Unternehmen inszenieren, damit Digitalität richtig gedeihen kann?

Schauen wir etwas zurück: Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung in der Industriegesellschaft kennzeichnet sich beispielsweise durch:

  • die Steigerung der Produktivität von Arbeit und Kapital;
  • die räumliche Trennung von Familie und Beruf;
  • die sowohl räumliche als auch soziale Mobilität und Berufshierarchie;
  • die zunehmende Arbeitsteilung und Automatisierung;
  • eine hohe Lebenserwartung und eine niedrige Geburtenrate;
  • das Vordringen städtischer Lebensweisen;
  • eine Standardisierung des Lebenslaufes in vier wesentliche Phasen: Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter.

Die nun angeführten Merkmale des kulturellen Wandlungsprozesses in der postindustriellen Gesellschaft sind als Folgen der Industrialisierung zu betrachten:

  • im Zentrum der Wertschöpfung stehen Wissen, Innovation und Anpassungsfähigkeit;
  • die soziale Bedeutung räumlicher Trennungen verschwindet durch zunehmende Vernetzungsmöglichkeiten;
  • Berufshierarchien werden für kollektive Identitäten immer unwichtiger;
  • Arbeitsteilung und Automatisierung werden zugunsten von Kooperation und Dezentralisierung zurückgenommen;
  • unternehmerische Denk- und Lebensweisen werden immer prägender;
  • weniger standardisierte Lebensläufe;
  • Tendenz zu pluralen Lebensformen.

vergl. Christian Fritsch, 2002, Über den Wertewandel im Zeitalter des Post-Industrialismus im Bezug auf anthropologische Erklärungsansätze, München, GRIN Verlag

Als Lösungsansatz solche Wandlungen leben zu können, möchte ich die Werte der agilen Management-Methode bzw. -Framework SCRUM (die aus dem Agilen Manifest entwickelt wurde) kurz ansprechen. Im ersten Buch über Scrum, “Agile Software Development with Scrum“, beschreiben Ken Schwaber und Mike Beedle die folgenden fünf Kernwerte von Scrum:

  • Commitment
  • Fokus
  • Offenheit
  • Respekt 
  • Mut

Die Werte im Detail:

Commitment

Scrum, wie auch extreme Programming sieht es vor, dass sich Teams zu einem gewissen Arbeitspensum “commiten” – d.h. dass die Teams in einer definierten Zeit (Sprint, Iteration,…) eine definierte Funktionalität entwickeln werden. Der Wille und der Mut zu Verbindlichkeiten und zu einer gemeinsamen Vision ist daher ein elementarer Wert in Scrum.

Fokus

Aus dem Management ist “Fokus” als strategische Erfolgsposition durch Porter bekannt. In der Softwareentwicklung ist der Fokus auf die gegenwärtige Arbeit genauso ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens. In Scrum und extreme Programming wird durch “herunterbrechen” der Anforderungen in überschaubare Tasks und durch das Arbeiten in Sprints bzw. Iterationen der Fokus auf die gegenwärtige Arbeit gelenkt. Auch hochfrequente Meetings und die gegebenen Commitments führen dazu, dass alle Beteiligten immer nur ein Ziel vor Augen haben und dadurch fokussiert an die Arbeit herangehen.

Offenheit

Offenheit ist in Scrum in zweierlei Ausprägungen präsent. Einerseits handelt es sich um die Offenheit eines jeden Einzelnen gegenüber neuen Praktiken, Techniken, Denkweisen usw. Auf der anderen Seite ist damit gemeint , wie man mit Transparenz in Konflikten, Anforderungen, Informationen, usw. umgeht. Auftretende Probleme werden sofort transparent gemacht und so oft es sinnvoll ist,  mit den Endbenutzern oder Kunden bzw.  Auftraggebern besprochen.

Respekt

Scrum bedeutet Teamarbeit und das geht nicht ohne gegenseitigen Respekt. Ein respektvoller Umgang beinhaltet für mich unterschiedliche Meinungen zuzulassen, eigene Schwächen und jene Anderer zu honorieren und einen entsprechenden Umgang miteinander zu pflegen. Hierarchien werden aufgelöst. Kollektive Identitäten entstehen. Das Team korrigiert sich selbst, weil jeder die Vision kennt und über den Tellerrand hinaus schauen kann.

Mut

Scrum funktioniert anders als die meisten traditionellen Unternehmen gestrickt sind. Statt Hierarchien zählen Netzwerke, statt Autorität tritt Kollaboration in den Vordergrund. Um traditionell gewachsene Strukturen zu verändern braucht es viel Mut und Courage. In einer Zeit der Paradigmen Shifts gibt es viel Unsicherheit. Vorgetrampelte Pfade müssen verlassen werden, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Selbstmanagement (Selbständigkeit) und verantwortliches Handeln ist heutzutage als Softskill nicht mehr wegzudenken.

 

Kent Beck beschreibt ähnliche Werte in seinem Buch “Extreme Programming Explained“. Meiner Meinung nach sind diese Werte ebenfalls als essentiell anzusehen:

Einfachheit

Scrum und extreme Programming werden auch als “lean development” – also schlanke Entwicklung – bezeichnet. In diesem Wörtchen “lean” steckt schon der Drang nach Einfachheit. Es soll lieber der direkte Weg zum nutzbringenden Produkt oder Prozess gewählt werden, als viel Zeit in langwierige Planungen zu investieren, die sich über die Zeit wieder x-mal ändert. “Weniger, aber dafür richtig!” ist also das Ziel in Scrum.

Kommunikation

Menschen entwickeln. Darum ist Kommunikation ein elementarer Bestandteil der Entwicklung selbst. Immer dann, wenn Wissen von einer Person an eine andere Person übermittelt wird, kann es, abhängig von der Art der Übermittlung, beim Wissenstransfer zu Missverständnissen kommen. Im Wissensmanagement spricht man von direkten Wissenstransfer, wenn sich zwei Personen face-to-face gegenüber stehen während diese kommunizieren, im Gegensatz zum indirekten Wissenstransfer, der über Dokumente oder technische Systeme abgewickelt wird. Besser für die “fehlerfreie” Kommunikation ist natürlich der direkte Wissenstransfer, da hier der Empfänger mit Feedback (Worten, Gestik, Mimik,…) direkt reagieren kann und so mehr Aspekte in die Kommunikation einfließen. Meetings haben also einen hohen Stellenwert. (Zu beachten ist, dass man sie auch effektiv gestaltet.) Quelle: https://stwunder.wordpress.com/2012/08/02/die-werte-von-scrum/

Selbstredend ist, dass in so einer neuen Welt die 80er Jahre- Master & Commander- Manager ausgedient haben.  Servant Leadership ist gefragt und wird zur Voraussetzung einer neuen Generation von Arbeitern im Bereich Digital, obwohl es schon Friedrich der Große formuliert hat.

Ein Servant Leader liebt Menschen und möchte ihnen helfen. Die Mission des Servant Leaders ist es daher, die Bedürfnisse anderer zu identifizieren und zu versuchen, diese Bedürfnisse zu befriedigen.
— Kent Keith, CEO des Greenleaf Center for Servant Leadership

 

Führung heutzutage ist mehr wie ein Ältestenrat, der sich die Probleme anhört und dann zum Wohle des gemeinsamen Ziels oder der Gemeinschaft entscheidet. Voraussetzung, dass dies funktionieren kann sind die oben genannten Werte, die gelebt werden müssen.

Gemeinsames Denken und Fühlen, also Empathie mit anderen muss entwickelt werden.

Die Akademie für Empathie hofft, mit empathischeren Menschen und empathischeren Organisationen, zu einer empathischeren Gesellschaft beitragen zu können.

Ihr Hardy Engwer